DrupalCamp Vienna 2015 – Connecting open minds

DrupalCamp Vienna 2015 – Connecting open minds

Das offizielle Motto des diesjährigen DrupalCamps in Wien war “Connecting Open Minds”. Das inoffizielle Motto war jedoch Drupal 8. Der Release der stabilen 8.0.0 Version lag nur wenige Tage zurück, und dementsprechend groß war der Andrang an Teilnehmern und auch das Angebot an Talks zu diesem Thema. Und auch in den zahlreichen Diskussionen innerhalb der Community war D8 das Gesprächsthema Nummer eins. Fünf Jahre hatte die Entwicklung an D8 gedauert, und die Neuerungen können sich sehen lassen: Schnellere Releasezyklen, eine zeitgemäße Architektur basierend auf Symfony-Komponenten, zahlreiche neue APIs, „Headless“ Installationen und noch vieles mehr.

Die ausverkaufte Veranstaltung mit 400 Teilnehmern fand im FH Technikum Wien statt. Im Vortrag „Headless Drupal“ von Ruben Teijeiro wurden die neuen REST API Module, die sich an Bord von D8 befinden, vorgestellt. Hiermit kann man sehr schnell die in Drupal angelegten Datenstrukturen via HTTP verfügbar machen und bei Bedarf ohne das Frontend von Drupal arbeiten. Dies kann dann zum Beispiel durch eine Web-App in Angular.js oder React realisiert werden. Somit kann man Drupal als Drop-In Replacement für die ansonsten in der JS Community sehr beliebten NoSQL Datenbanken (MongoDB, etc.) genutzt werden. Dies hätte den Vorteil das die Daten strukturiert vorliegen und man ein lasterprobtes System hat, welches auch ohne grossen Aufwand im Produktivbetrieb eingesetzt werden kann.

Ein weitere spannende Neuerung für Drupal ist GraphQL. Es handelt sich um eine Technologie von Facebook, die Anfang des Jahres in die Familie von React Technologien begrüsst wurde. Im Vortrag von Sebastian Siemssen wurde das GraphQL Modul für Drupal 8 vorgestellt, welches sich zur Zeit jedoch noch im Entwicklungsstadium befindet. GraphQL bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber dem klassischen REST, insbesondere bei großen Datenmengen und einer Vielzahl von Datenmodellen. Als Beispiel sei das selektive Abfragen von Daten anstelle dem einfachen “Konsum” der Schnittstelle (unabhängig davon ob z.B. alle Daten aus dem JSON/XML benötigt werden oder nicht) zu nennen. Mehr zu dem Thema findet man hier:
GraphQL Introduction
Drupal.org GraphQL

Im Vortrag State of Contrib Modules in D8 von Josef Dabernig gab es einen Überblick über den aktuellen Status der wichtigsten Contribution Module. Für kleine bis mittelgroße Seiten kann man bereits sehr gut mit diesen arbeiten, allerdings gibt es einige schmerzhafte Lücken (z.B. das Rules Modul), die momentan das eine oder andere Projekt noch auf D7 umlenken. Die gepflegte Google Docs Liste mit den aktuellen Status findet man hier: Drupal8 Modules

Neu in D8 ist auch das Configuration Management System. Fabian Bircher hielt hierüber einen interessanten Vortrag. Er erklärte direkt am Anfang, dass dadurch das bekannte Feature Modul für D7 nicht tot ist, sondern eher zu seinen ursprünglichen Wurzeln zurückkehrt: dem Bündeln von Software Features innerhalb von Drupal. Konfigurations-Einstellungen gehören ab sofort ins neue System. Damit wird eine striktere Trennung von Konfigurationen und Content gewährleistet als es mit Features möglich wäre. Zudem erlaubt es auch Deployments zwischen unterschiedlichen Instanzen einer Webseite. Konfigurationen werden in .yaml-Dateien gespeichert, was eine wesentlich saubere Versionierung erlaubt. Ausserdem gibt es die Möglichkeit Konfigurationsparameter ‘on-the-fly’ zu überschreiben mit Hilfe der Configuration API.

Auch das Theming einer Drupal-Seite ist nun auch wesentlich vereinfacht worden. Twig, seit längerem bekannt in der PHP Community, ist nun der Standard für alle Frontend-Angelegenheiten. Vorbei sind die Zeiten von komplexer Logik in Templates und unzähligen Varianten des Renderns. Alle Theme Funktionen von Drupal 7 wurden umgewandelt in Twig-Templates, und in einem der kommenden Minor Releases als “deprecated” markiert. Dies verspricht einen einfacheren Einstieg für Frontend-Entwickler in Drupal (nicht zuletzt durch das Weiterverwenden der bereits genutzten Frontend-Toolchains), mehr Performance und auch Sicherheit.

Eine der zentralen Fragen, die man sich stellen sollte, ist: Würde man sich, als jemand der neu in die Web Entwicklung einsteigt, für Drupal entscheiden? Wahrscheinlich nicht. Die dynamische JS Community wäre vermutlich die erste Wahl, mit ihren ständig neu erscheinenden Tools, Frameworks und Bibliotheken. Durch Drupal 8 wird die Platform neuen Entwicklern schmackhaft gemacht, denn es fühlt sich nicht mehr nach einer exotischen Lösung an, die vorbei an allen Standards der ebenfalls immer progressiver werdenden PHP Community, arbeitet.

Das DrupalCamp 2015 in Wien war ein guter Indikator für kommende Trends und die Richtung, in die sich das CMS bewegt. Die Community war offen, voller Tatendrang und durchweg glücklich mit dem Release der aktuellen Version sowie der Zukunft des blauen Tropfens. Ein großes Lob an die Community und die Veranstalter für ein interessantes und gut organisiertes Wochenende. Bis zum nächsten Mal!

 

 

Redaktion
von